a. Definition, Wortbedeutung

b. Geschichte der Militärmusik

c. Jahrbuch Militärmusik 1943

d.


a.) DEFINITION MILITÄRMUSIK / Wortbedeutung


Wikipedia

Der Begriff Militärmusik umfasst alle Aspekte musikalischer Darbietungen von Soldaten. Neben der oft ausschließlich damit assoziierten Marschmusik umfasst Militärmusik aber auch feierliche Musik mit durchaus auch religiösem Charakter (Choräle), Marschgesänge sowie Unterhaltungs- und Tanzmusik. Auch die Aufführung klassischer Werke aus allen Epochen ist in heutiger Zeit fester Bestandteil der Militärmusik. (download 5.9.2014)

Brockhaus

Militärmusik, Bez. für die gesamte im militär. Bereich verwendete Musik, umfasst Signal- und Kommandogaben im Fanfarenmelos (Trompete, Flügelhorn), die histor. Formen der Musik für Trompeter und Pauker sowie für Pfeifer und Trommler, die Musik der neuzeitl. Militärkapellen und das Soldatenlied. Marsch- und Signalmusik sind bereits um 1600 v. Chr. für das ägypt., ab 500 v. Chr. für das röm. Heer belegt. Durch die Kreuzzüge machten die Europäer Bekanntschaft mit der sarazen. Feldmusik. Dadurch fanden Trommel und Heerpauke Eingang in die mittelalterl. M. des Abendlandes... Aus dem 19. Jh. datiert die Festlegung der Harmoniemusik für die Infanterie, eine reine Blechbesetzung für Kavallerie und Artillerie (Trompeten) sowie Jäger (Waldhorn), wogegen seit 1935 die Fliegertruppe auch das Saxophon übernahm (seit 1845 bereits in der frz. M.)...

Herders Conversations-Lexikon

Militärmusik, auch Kriegsmusik. Feldmusik, nennt man die beim Militär gebräuchlichen Arten von Musik, wozu auch die musikalischen Signalzeichen gehören. Die M. zerfällt in 3 Hauptgattungen: Marsch, Lied und Feldstück. Einfachheit, Ernst, kräftige Instrumentation u. stark ausgeprägter Rhythmus sind Haupterfordernisse.

Universal-Lexikon

Militärmusik, beim Militär gespielte Musik (z. B. Märsche).

Signale und Märsche zur Organisation des militärischen Ablaufs, Lieder für den Soldatenalltag sowie anfeuernde Musik während der Schlacht (noch Ende des 19. Jahrhunderts) waren ursprünglich die Hauptaufgaben der Militärmusik, weiterhin diente sie zur Rekrutenwerbung und zur Untermalung bestimmter Veranstaltungen, z. B. von Paraden und dem Zapfenstreich. Als »Freiluftmusik« beschränkte sie sich zunächst auf lautstarke, durchdringende Blas- und Schlaginstrumente. Als im 19. Jahrhundert die Militärorchester zunehmend auch in der zivilen Öffentlichkeit musizierten, gewann der unterhaltende Charakter an Bedeutung, und die Militärmusik wurde zum Ausgangspunkt der Blasmusik im modernen Sinne, erweiterte das Spektrum der populären Musik.

Meyers Großes Konversations-Lexikon

Militärmusik (Kriegsmusik, Feldmusik), das den Regimentern der modernen Heere beigegebene Orchester, dessen Zweck ist, bei Märschen, Paraden etc. die Bewegung der Truppe zu regeln und ihr erhöhte Elastizität zu geben sowie auch wohl im Gefechte den Mut anzufeuern... Die meisten Militärmusikkorps sind jetzt aus guten Musikern zusammengesetzt, und sie verwandeln sich daher häufig zu Konzertzwecken in ein vollständiges Symphonieorchester mit Streichinstrumenten, Pauken etc. Vgl. »Bestimmungen über die Ausbildung von Militärmusikern etc.«

Aus dem Artikel "Militärmusik" in: "Musik in Geschichte und Gegenwart", Band 9, S. 305ff:

Allgemeine Begriffsbestimmung und Übersicht. Als Militärmusik bezeichnet man im allgemeinen Sprachgebrauch die im militärischen Bereich entwickelte Blasmusik aller Besetzungen mit dem Marsch als Kern. Sie umfasst die Spielleute, d.h. Trommler und Pfeifer, Hornisten-, Fanfarenkorps; sodann die reine Blechmusik (engl. brass band, frz. fanfare, ital. fanfara, russ. médnyj duchóvoj orkéstr, span. charanga) der Signalhorn-, Kavallerie-, Jäger-, auch Panzermusik; und als höchstentwickelte und reichstbesetzte Gattung die Harmoniemusik (engl. military band, frz. harmonie, ital. banda, armonia, russ. pólnyj duchóvoj orkéstr, span. banda militar) der Infanterie- (früher »türkische« oder Janitscharenmusik) und Luftwaffenmusik. Unter Militärmusik im weiteren Sinne versteht man die gesamte Betätigung von Musikkorps und Spielleuten einschließlich der sogen. »Streichmusik« innerhalb und außerhalb des militärischen Dienstes; in Anlehnung an Wortbildungen wie »Militärorch.« (analog zu »Beamten–«, »Ärzteorch.« u.a.) zur Erfassung des weitverzweigten Komplexes die Gesamtheit militärischer Musikbetätigung überhaupt (einschließlich wehrbetreuerischer Spielgruppen, Soldatengsg., halb-privater KaM., kirchlichen Choralgsg. u.ä.); und schließlich in mehr literarischem Sinne Musik »militärischen« Charakters (Battaglien, Haydns Militär-Symphonie, L. Mozarts Divertimento militare, Händels Feuerwerksmusik, V.-Konzerte von Viotti, Operneffekte bei Spontini u.a., zahlreiche Bühnenmusiken u.ä.); letzte Bedeutungen bleiben hier unberücksichtigt. – Der Terminus Militärmusik (früher Feldmusik) ist vermutlich eine Lehnübs. aus dem Französischen. Die Geschichte der Militärmusik beginnt, strenggenommen, erst mit der Überschattung der Signalmusik durch die Vorherrschaft der Marschmusik mit eigener Kompos. – Form. In diesem Sinne ist die Militärmusik heute rund 300 Jahre (17. Jh.: Aufstellung von Militärkapellen zusätzlich zu den Spielleuten) bzw. 400 Jahre alt (16. Jh.: von Spielleuten vorbereitete Herausbildung des »Marsches«). Ihre Vorstufe im Sinne der gegebenen Definition ist die »Signalmusik« als ältere Kriegsmusik, wie sie (ohne abendländ. Einfluss) noch heute bei exotischen Völkern bekannt ist. Innerhalb der Militärmusik als neuerer Kriegsmusik trat, im Laufe der Entwicklung, zur »Marschmusik« (um 1650-1820) die »Konzertblasmusik« (ab 1820); die jeweils überholten Hauptfunktionen starben jedoch nicht ab, sondern der Änderung der Kriegstechnik entsprechend verschob sich lediglich der Schwerpunkt. Innerhalb ihrer Vorgeschichte (Signalmusik) und ersten Entwicklungsstufe (Marschmusik) diente die Militärmusik überwiegend praktischen Zwecken und war Gebrauchsmusik. In der zweiten Entwicklungsstufe (Konzertblasmusik) gewannen allgemeinkünstlerische Gesichtspunkte zunehmend an Bedeutung. Solange eine militärische Verwendung der Militärmusik unumgänglich war, wurde ihr Wert nicht angezweifelt. Ihre Lebensberechtigung stand erst dann in Frage, als sich rein künstlerische Leistungen bemerkbar machten: 1802 wurden (zeitweilig) die frz. Kavalleriekapellen und 1868 die österr. Kavallerie und Artilleriekapellen aufgelöst, 1932 die dän. Militärkapellen abgeschafft. Aus der Sphäre »handfester« Dienstpraxis in die Höhenlage leicht verkannter Imponderabilien emporgestiegen, sah sich die Militärmusik gelegentlich als Einrichtung wie auch als mus. Gattung in ihrer Existenz bedroht, konnte jedoch ihre Weiterentwicklung immer wieder durchsetzen. 1941 wurde Militärmusik auch wiss. Lehrfach für Militärkpm.- Anwärter am Kons. Berlin (»Hist. und syst. Militärmusik-Wissenschaft«). Zu jeder Zeit hatte die Militärmusik nicht nur einen praktischen Zweck, sondern auch die Aufgabe, die Stimmung der Truppe zu beeinflussen und psychische Wirkungen auszuüben. Auch in früherer Zeit bedeuteten Signale nicht nur bloße Befehlsübermittlung; ein fortgesetztes Signal »Marsch!« sollte (und konnte) die Truppe beflügeln, ein andauerndes Angriffssignal steigerte ihren Mut und verwirrte den Feind: »Mit der Heertrummel das hertz ich weck der unsern und die feind erschreck« (Hans Sachs). Marschmusik sicherte nicht nur den Gleichschritt der Formation, sondern stärkte die Marschierenden, und das Spielen des Avanciermarsches in der Schlacht flößte den Kämpfenden Disziplin, Kraft, Mut und Kampfgeist ein. Ähnlich verhalten sich Aufgabe und Wirkung der späteren Konzertblasmusik bei der Truppe wie bei der Bevölkerung einer Garnisonstadt... Autor: Georg Kandler

 

Luftwaffenmusikkorps 1 (internes Abzeichen)
Luftwaffenmusikkorps 1 (internes Abzeichen)