Auf dieser Seite finden sie Texte über die Geschichte der Militärmusik.

1.) Lisa van Beergen: "Marsch- und Militärmusik ... "

Entwickelt hat sich die Militärmusik schon in der Frühzeit der Militärgeschichte. Bereits in der Antike waren Blasinstrumente und Trommeln als weithin hörbare Signal- und Nachrichtenübermittler unverzichtbarer Bestandteil der Kriegführung.

 

Im Mittelalter entwickelte sich dann aus der rein für den militärischen Gebrauch entwickelten Signalmusik ein Bestandteil höfischen Zeremoniells (so wurden z. B. Besucher mit Fanfarenrufen begrüßt, aus denen Rang und Stand erkannt werden konnte).

Etwa ab dem 16. Jahrhundert begann man dann, zwei Hauptgruppen von Militärmusikern zu unterscheiden: Trommler und Pfeifer (das sogenannte „Spil“) als Musiker der Fußtruppen und die besser gestellten Pauker und Trompeter als Musiker der Kavallerie.

 

Die europäische Militärmusik gewann dann durch den Kontakt mit den Osmanen (Türken) in den Kriegen des 16. und 17. Jahrhunderts (Belagerung von Wien 1683) einen wichtigen Aspekt hinzu. Neuartige Instrumente wie der Schellenbaum und neue Formen der musikalischen Darbietung (Janitscharenmusik) prägten das heute bekannte Bild der Militärmusik.

 

Auch der Dreißigjährige Krieg bedeutete einen wesentlichen Entwicklungsschritt, da hier die militärische Marschmusik als Erkennungszeichen einzelner Verbände und zur Anfeuerung der Soldaten im Kampf erstmals voll zur Geltung kam. Diese neue Funktion der Militärmusik hängt mit der Einführung von Exerzieren und Waffendrill zusammen.

Im 19. Jahrhundert wurde die Militärmusik nochmals weiterentwickelt, vor allem wurden die Besetzungen der Militärorchester, die Professionalisierung der Musiker und die Ausweitung des Repertoires vorangetrieben. Viele Militärkapellen konnten im Ballsaal oder in kleineren Räumen auch als Streichorchester auftreten. Es wurde üblich, dass Violinisten auch Saxophon spielten. So machten die Militärkapellen den Tanzkapellen zunehmend Konkurrenz. Während Johann Strauß Sohn seit Mitte des 19. Jahrhunderts noch ganz unabhängig von der Militärmusik agierte, begann Franz Lehár am Ende des 19. Jahrhunderts seine Laufbahn in der Militärmusik.


In heutiger Zeit ist die Militärmusik neben ihrer klassischen Rolle zur Untermalung militärischen Zeremoniells auch wesentlicher Bestandteil der Öffentlichkeitsarbeit moderner Streitkräfte. Konzerte und Tourneen im In- und Ausland mit vielfältigem Repertoire (s. o.) belegen die Vielfältigkeit der Musiker. So treten Musikkorps nicht mehr nur als Blasorchester in Marschformation, sondern auch in sinfonischer oder Big Band-Besetzung auf.


Bernhard Höfele, Die deutsche Militärmusik

Quelle: Bernhard Höfele, Die deutsche Militärmusik - Ein Beitrag zu ihrer Geschichte, 2. Auflage, Februar 2004, 292 Seiten, ISBN: 3-00-004884-7, Preis: 41,00 Euro, hier: Einleitung, Seite 4:


"Wann beginnt Militärmusik? Diese Frage ist nicht leicht zu bantworten. Frühere Arbeiten über dieses Thema beginnen bei afrikanischen Naturvölkern, bei Aegyptern, Griechen u. A. Dabei sind viele Aussagen nur vage möglich oder aufgrund fehlender bzw. sprachlich nicht auswertbarer Quellen gar reine Spekulationen.

Mit Musik, oder besser gesagt, mit den Signalen zur Befehlsübermittlung bei kriegerischen Auseinandersetzungen auf germanischem Boden beginnt zweifellos die deutsche Militärmusik. Da jedoch Kriegsgegner einander nicht nur bekämpfen, sondern auch gegenseitig ihre Erfahrungen, Gewohnheiten u. v. a. kennenlernen, gehören zu den Voraussetzungen der deutschen Militärmusik im Wesentlichen auch die römischen Kriegsmusikinstrumente sowie deren Verwendung.

Die Römer wiederum sammelten in ihren zahllosen Auseinandersetzungen mit anderen Völkern Erfahrungen im Gebrauch von Blasinstrumenten. So schien es mir richtig, einige Quellen der römischen Kriegsmusik auszuwerten und sie auf Gemeinsamkeiten oder Ursprünge der deutschen Militärmusik hin zu untersuchen.

Das Ergebnis war sehr befriedigend. Dazu kamen noch diesbezügliche Aussagen des Alten und Neuen Testaments, die mir als interessant erschienen. Sodann liefern mittelalterliche deutsche Epen aus dem 8. und 12. Jahrhundert die ersten Quellen deutscher Militärmusik."


Prof. Dr. Sabine Giesbrecht: "Zur Funktion populärer Musik im 1. Weltkrieg"

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Sabine Giesbrecht Musikalische Kriegsrüstung
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Quelle: Giessener Elektronische Bibliothek. "Musikalische Kriegsrüstung : Zur Funktion populärer Musik im 1. Weltkrieg" Giesbrecht, Sabine, 2001, http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2008/5201/  Justus-Liebig-Universität Gießen. Musikwissenschaft, Zeitschrift, Serie: Beiträge zur Popularmusik-forschung 27/28; S.161-184.